Fachkräftemangel im Weinberg des Herrn

Nicht nur die Schäfchen werden weniger, auch bei den Hirten fehlt der Nachwuchs. Der absehbare Priestermangel wirft die Frage auf, wie die katholische Kirche künftig aussehen soll. Die Meinungen sind geteilt.

Julian Reich (Text)
Curdin Albin (Fotos)

 Julian Reich ist freier Journalist und Leiter der Kulturfachstelle cultura viamala.

Julian Reich ist freier Journalist und Leiter der Kulturfachstelle cultura viamala.

Manchmal zweifelt auch er: Wenn Marcel Köhle in die Kirchenbänke blickt und die vielen grauhaarigen Köpfe sieht, denkt er: «Wo wird das enden?» Den Pfarrer von Brigels, Jahrgang 1983, sorgt nicht nur, dass seine Schäfchen immer grauer werden – nein, auch seine Mithirten in der Surselva stehen alle näher an der Pensionierung als an ihrer Priesterweihe.

Marcel Köhle ist einer von rund 350 Weltpriestern, die aktuell im Bistum Chur tätig sind. Das Bistum erstreckt sich über die Kantone Graubünden, Schwyz, Uri, Nidwalden, Obwalden, Glarus und Zürich. Und es verzeichnet wie alle anderen in der Schweiz vor allem rückläufige Zahlen: Von 1960 bis heute hat sich gemäss Kirchenstatistik die Zahl der Priester von 615 um fast die Hälfte reduziert, die Zahl der Katholiken ging von 670'000 auf 560'000 zurück. 75'000 davon leben in Graubünden.

«Die treuen Seelen, sie werden weniger.»

Der Rückgang an Priestern geht also schneller vonstatten als der jener Personen, die sich als Katholiken bezeichnen. Von diesen jedoch sind nur eine kleine Anzahl tatsächlich praktizierende Katholiken. Auch wenn hierzu das Zahlenmaterial aus der Schweiz fehlt, so zeigt sich doch am Beispiel Deutschlands, dass sich die Zahl der Gottesdienstbesucher noch stärker verringert als jene der Gläubigen und der Priester. Nahm im Jahr 1950 die Hälfte der deutschen Katholiken an bestimmten Zählsonntagen am Gottesdienst teil, waren es 1975 noch ein Drittel, 1990 ein Fünftel und 2015 etwas mehr als 10 Prozent. Die treuen Seelen, sie werden weniger.

Es herrscht ein Rückgang auf allen Ebenen – doch wie soll man damit umgehen? Handelt es sich um einen Priestermangel oder doch eher um einen Mangel an Gläubigen? Und: Gibt es Lösungsansätze, die dem entgegenwirken können? Oder ist das alles nur Strukturerhaltung?

Anruf bei Christian Cebulj, Rektor der Theologischen Hochschule Chur (THC) und Professor für Religionspädagogik und Katechetik. Denn wer Priester werden will, muss Theologie studieren. An den Zahlen der Studenten ist ablesbar, wie sich die Priesterweihen künftig entwickeln werden. 

An der THC haben sich die Immatrikulationen bei rund 60 Studierenden eingependelt, nachdem sie einige Jahre stetig zurückgingen. 14 davon sind aktuell Priesteramtskandidaten, haben sich also für den Priesterberuf entschieden. «Diesem Entscheid geht meist ein langer biografischer Prozess voran», sagt Cebulj. Ein Prozess, der heute jedoch oftmals anders abläuft als früher: Meist wurden die Zöglinge stark von ihrer eigenen Erfahrung mit der Kirche und mit Rollenbildern wie dem Dorfpfarrer geprägt. 

Marcel Köhle, der Brigelser Pfarrer, ist noch so ein Fall: In Domat/Ems aufgewachsen, war er Ministrant und fand den Dorfpfarrer einen «lässigen Menschen». Fragen nach dem Warum und Wozu interessierten ihn schon immer. Dass er selber Priester werden wollte, entschied Köhle jedoch erst während des Theologiestudiums in Chur, und das nach einem längeren Prozess – «ein eigentliches Erweckungserlebnis gab es nicht.»

Das Berufsbild hat sich seit Köhles Kindheitstagen verändert. «Anerkennungsdefizit» nennt es Rektor Cebulj. «War der Pfarrer früher eine Respektsperson im Dorf, auf der Stufe mit dem Lehrer und dem Gemeindepräsidenten, ist er heute ein Einwohner wie die anderen auch.» Damit hat auch der Priesterberuf an Attraktivität verloren. 

Für Cebulj ist hingegen klar: Es gäbe genug willige Menschen, die sich für den Priesterberuf interessierten – nur dürfen sie nicht. «Es besteht weniger ein Priester- als ein Weihemangel.» Die «Zulassungsbedingungen» seien schuld: nur Männer dürfen, und zwar nur dann, wenn sie zölibatär leben. 

«Eine Aufweichung der Zulassungsbedingungen würde vermutlich eine Verbesserung der Lage bringen», sagt deshalb Cebulj. Das Zölibat aufheben? Einen Versuch ist es wert, meint Cebulj.

«Das Zölibat aufheben? Einen Versuch ist es wert», meint Christian Cebulj.

Eine Scheinlösung, meint das Bistum, lediglich Strukturerhaltung. Zu einzelnen Fragen möchte man sich auf dem Hof nicht äussern, dafür sendet Bistumssprecher Giuseppe Gracia einen Artikel von Martin Grichting, Generalvikar im Bistum Chur. Für Grichting ist offensichtlich: Ein Strukturwandel ist im Gang, die Zahl der Gläubigen vermindert sich ebenso wie jene der Priester, ein Trend, der nicht einfach so aufzuhalten ist. Die Aufhebung des Zölibats vergleicht er mit dem Drucken von Geld, um marode Staatsfinanzen zu sanieren: Das mag eine Weile gut gehen, aber irgendwann kommt der Crash.

«Das Zölibat aufheben? Das mag eine Weile gut gehen, aber irgendwann kommt der Crash», meint dazu Martin Grichting.

Und doch wird in der Kirche bereits länger darüber diskutiert, auch Papst Franziskus hat sich in diese Richtung geäussert. Das Stichwort heisst «viri probati», also «bewährte Männer», die sich im kirchlichen Dienst bewiesen haben. Als verheirateter vir probatus steht einem bislang lediglich das Amt als ständiger Diakon offen, der zwar predigen, aber nicht alle Sakramente spenden oder die Eucharistie feiern darf – das ist dem geweihten Priester vorbehalten.

Zur Diskussion gestellt wird die Zulassung der viri probati etwa an der für 2019 geplanten Amazonas-Synode, der Zusammenkunft der Bischöfe Lateinamerikas. Gemäss Cebulj ist dort der Ruf nach der Weihe von verheirateten Männern bereits sehr laut. Und weil mit Papst Franziskus ein Mann in Rom das Sagen hat, der viele Fragen den Bischofskonferenzen überlässt, könnte es sein, dass in Lateinamerika schon bald viri probati den Gottesdienst leiten. Der Grund für das südamerikanische Anliegen: Priestermangel. 

«Auch in Südamerika ist der Ruf nach der Weihe von verheirateten Männern bereits sehr laut.»

Priestermangel? Der Churer Generalvikar Grichting sieht das anders. Die Arbeitsbelastung der Priester durch das Spenden von Sakramenten sei hierzulande ja zurückgegangen, ebenso wie die Zahl der Gottesdienstbesuche pro Diözesanpriester. Tatsächlich tauft und traut ein heute tätiger Priester weniger als vor 20 oder 30 Jahren. Dafür, so Grichting in seinem Beitrag, stehe der Priester oftmals vor deprimierenden «Rumpfgemeinden», die nur noch bestünden, weil die Kirchgemeinden finanziell derart gut aufgestellt seien, dass sie weiterhin einen Priester bezahlen und ein Gotteshaus unterhalten könnten. Dazu muss man wissen: Das duale System der Schweiz, in der demokratisch organisierte Kirchgemeinden neben den hierarchisch funktionierenden Bistümern agieren, ist dem Churer Generalvikar schon länger ein Dorn im Auge. 

Offene Pfarrstellen werden unter anderem auf der Webseite des Bistums publiziert. Aktuell sind im Bistum Chur demnach lediglich drei Stellen offen. Vorerst also herrscht kein Mangel – auch, weil die Kirche viele Stellen mit ausländischen Priestern besetzen kann. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht, jedoch sind gerade im Bistum Chur viele polnische und indische Priester angestellt. 

«Mangel? Aktuell sind im Bistum Chur drei Pfarrstellen offen.»

Damit bedient sich die katholische Kirche einer ähnlichen Massnahme wie die reformierte: Auch dieser fehlt der einheimische Nachwuchs, der vor allem durch Pfarrer aus Deutschland wettgemacht wird. «Gastarbeiter im Weinberg des Herrn», titelte eine Zeitung vor einigen Jahren. Für Marcus Caduff ist das keine nachhaltige Lösung. Der Präsident des Corpus catholicum, der obersten Behörde der Bündner Landeskirche, sieht die Entwicklung kritisch: «Ausländische Priester sind mit der hiesigen Kultur oftmals nicht so gut vertraut. Dieser mögliche Graben fördert nicht unbedingt die Annäherung an die Kirche.» Auch Caduff findet: Das Zölibat soll zur Diskussion gestellt werden. Ja, er kann sich sogar die Weihe von Frauen vorstellen.

Wir treffen Peter Miksch, Pfarrer der Pfarrei Cazis, Pfarradministrator im vorderen und mittleren Prättigau und in Paspels und Tomils im Domleschg. Schon seit den 90er Jahren lebt der gebürtige Deutsche in der Schweiz, er betreute unter anderem zehn Jahre lang die Pfarrei Trimmis und nun seit drei Jahren jene von Cazis. 

Natürlich ist die Zahl der Taufen, Beerdigungen und vor allem jene der kirchlichen Hochzeiten zurückgegangen, erklärt Miksch. Aber gewisse Aufgaben bleiben sich gleich, ob der Kirchenbesucher nun mehr sind oder weniger. Zum Beispiel das Angebot an regelmässigen Gottesdiensten.

Sonntags um halb 10 hält Miksch die Messe in Cazis, um anschliessend ins Domleschg zu fahren, wo er einen zweiten Gottesdienst leitet. Es sei von einer anderen Kirchgemeinde auch schon die Forderung an ihn gelangt, er solle vier Gottesdienste an einem Tag durchführen – «aber zum Glück verbietet das das Kirchenrecht.» Das Spenden der Sakramente soll nicht zur Akkordarbeit werden.

«Pastoralassistenten 'probati'?»

Miksch amtet neben seiner Seelsorgeaufgabe in Cazis und im Domleschg als Pfarradministrator im Prättigau. Dort kann er auf die beiden Religionspädagogen Daniela und Lars Gschwend zählen, die als Pastoralassistenten die Gemeinde betreuen. Und Miksch ist des Lobes voll für die beiden: «Ich habe selten eine so lebendige Kirchgemeinde gesehen wie diese.» Und doch: Für die Eucharistiefeier muss Miksch oder ein Aushilfspfarrer ins Prättigau reisen. «Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Pastoralassistenten auch dies machen könnten», sagt Miksch, der für die Weihe von «viri probati» ist. Denn sie seien nun mal viel näher an den Gläubigen als er, der nur temporär vor Ort sei.

Stichwort Pastoralassistenten: Zählte das Bistum Chur 1983 noch 43 Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, sind es 2016 bereits 185. Zusammengezählt stehen heute 780 Seelsorgende – also Priester, ständige Diakone, Pastoralassistenten und KatechetInnen – im Bistumsdienst. 1983 waren es 415. Es gibt sie also noch in reger Zahl, die Hirten des Kirchenvolkes – nur sind ihre Rollen klar verteilt. Und jene des Priesters wollen immer weniger junge Einheimische übernehmen.

Zurück zu Sur Marcel Köhle, Pfarrer von Brigels. In manchen Momenten verspürt der junge Priester auch Hoffnung, nicht Verzweiflung. Etwa dann, wenn er im Dorfladen oder in der Beiz mit seinen Mitmenschen spricht, über das Wetter vielleicht, und plötzlich merkt, dass sich das Gespräch etwas Anderem zuwendet, etwas Tieferem: dem Glauben an Gott und dem Verhältnis zur Kirche. 

Sein Vorschlag, wie dem Problem der sinkenden Priester- und Gläubigenzahlen entgegengewirkt werden könnte, hat nicht direkt mit dem Zölibat zu tun, auch nichts mit einem Rückzug auf jene Gläubigen, die den Rest der treuen Seelen ausmachen. Was er entwirft, ist eine Kirche, die dem als hierarchisch und abgehoben scheinenden Apparat ein Gesicht gibt. Eine Kirche, die zu den Leuten geht. 

Wenn Generalvikar Grichting von «U-Boot-Katholiken» spricht, die nur dann auftauchen, wenn getauft oder beerdigt werden muss, spricht Köhle von jenen, die sich zwar von der Kirche entfernt haben, jedoch noch eine Verbindung zu ihr haben, und sei es nur über die Kirchensteuer: «Zu diesen müssen wir hin und ihnen zeigen, was Kirche ist und sein kann.»

Quelle: Kirchenstatistik des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts. https://spi-sg.ch/

 

 

Mythos Priestermangel

 Giuseppe Gracia ist Bistumssprecher, Schriftsteller und Journalist.

Giuseppe Gracia ist Bistumssprecher, Schriftsteller und Journalist.

Die verbreitete Rede vom Priestermangel ist ein Mythos. Mit diesem Mythos, der die Personalsituation in der Kirche übertrieben negativ darstellt, versuchen strukturkonservative Kirchenkreise seit Jahren, eine Anpassung der kirchlichen Strukturen in der Deutschschweiz zu verhindern. Dabei würde eine strukturelle Redimensionierung der Kirche in unserem Land guttun.

Denn die Wahrheit ist: katholische Gläubige sind heute gar nicht schlechter betreut als vor 40 Jahren. Die Nachfrage nach Taufen, Eheschliessungen, Beerdigungen und anderen Gottesdiensten ist in den vergangenen Jahrzehnten stärker gesunken als die Zahl der Priester. Gemessen an der Nachfrage gibt es also nicht weniger Priester als früher. Es gibt jedoch durchaus einen Mangel: nicht einen Priestermangel, sondern einen Gläubigenmangel. Ein Ausbau des Personals, etwa durch Abschaffung des Zölibats oder durch Einführung von Frauenpriesterinnen, wie «progressive» Kreise es immer wieder fordern, würde deshalb nichts bringen, sondern lediglich die jetzt schon überdimensionierten Kirchenstrukturen aufblähen. Damit würden dringend notwendige Reformen verhindert.

Die einzelnen Kirchgemeinden leben heute finanziell von vielen «U-Boot-Katholiken». Diese tauchen nur noch an Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen auf. Damit bleiben Kirchgemeinden tendenziell reich an Steuerfranken und arm an aktiven Gläubigen. Dank grossen finanziellen Ressourcen können sie so ihre Wagenburg verteidigen, obwohl nur relativ wenige Gläubige aktiv sind. Was wir heute brauchen, ist jedoch die Bereitschaft zu schlankeren Strukturen, statt immer wieder zu versuchen, schrumpfende Gemeinschaften personell überzuversorgen. Strukturerhaltungspolitik macht die Kirche nicht lebendig. Wir müssen vielmehr klein gewordene Gemeinschaften zu vernünftig grossen Einheiten zusammenführen. Denn es gibt viele schrumpfende Pfarreien, sei es in der Stadt oder auf dem Land. Diese könnten durch Zusammenführung wieder zu lebendigen und lebensfähigen Einheiten verbunden werden. Statt mit je dreissig Gläubigen drei verschiedene Sonntagsmessen in drei Ortschaften zu feiern, kämen alle an einem Ort zusammen und würden gemeinsam den Glauben feiern.

Trotz mancher Kooperationen wird dies in vielen Fällen von der Strukturerhaltungspolitik verhindert. Eine Politik, die zugleich dazu dient, die gängige Schwarzmalerei mit dem Mythos vom Priestermangel zu betreiben.

 

 

Pfarrermangel. Pfarrmangel?

 Cornelia Camichel Bromeis ist reformierte Pfarrerin und Dekanin der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Graubünden.

Cornelia Camichel Bromeis ist reformierte Pfarrerin und Dekanin der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Graubünden.

Dies ist auch ein Thema, das die reformierte Kirche beschäftigt. 

Was genau ist damit gemeint? Das Wort «Pfarrermangel» stimmt für die reformierte Kirche nämlich nicht (mehr). Seit 50 Jahren gibt es zunehmend auch Pfarrerinnen. Und sehr viele verschiedene Modelle, wie Kirchgemeinden ihr Leben gestalten, auch mit Teilzeitstellen und Pastorationsgemeinschaften.

Noch ist in Graubündens Tälern kein Pfarr-Mangel auszumachen, was folgende Zahlen belegen: Im Durchschnitt kommen 767 Mitglieder auf eine 100%-Stelle. In den übrigen Landeskirchen der Schweiz sind es fast doppelt so viele Mitglieder auf eine Vollzeitstelle. Es sind hier in Graubünden 8'750 Stellenprozente, die von über 100 Pfarrerinnen und Pfarrern besetzt werden. Diese relativ dichte Verbreitung an Pfarrstellen hängt auch mit der Topographie unseres Kantons und mit der Dreisprachigkeit zusammen.

Wenn also von einem Mangel gesprochen werden kann, dann von der abnehmenden Relevanz von Kirche in der Gesellschaft. Da bleibt vieles in den Kirchgemeinden am Pfarramt und an den Vorstandsmitgliedern hängen, die sich in den Kirchgemeinden noch für ein Amt zur Verfügung stellen.

Die Individualisierung der Gesellschaft hat weitreichende Folgen für eine Kirche, die mit den Menschen unterwegs sein möchte. Kirche findet an unzähligen Orten statt. Gottesdienst wird nicht nur am Sonntagmorgen gefeiert, sondern unter der Woche in Heimen, Spitälern, in Gemeindewochen und bei Ausflügen, in Jugendlagern und in Kinderferienzeiten, bei Radiopredigten und am Fernsehen. Gottes Dienst an uns hat vielfältige Wirkungsorte. Die Lebendigkeit der Kirche wird aber immer noch am Besuch eines «gewöhnlichen» Gottesdienstes am Sonntagmorgen gemessen. Dies führt nicht zur Attraktivitätssteigerung kirchlicher Berufe. Wer sich um Nachfolge sorgt, wirbt deshalb auch für ein zeitgemässes Kirchenbild in der öffentlichen Wahrnehmung.

Jeder Mangel hat auch eine Chance. Dies sage ich als Direktbetroffene, als Teil von Leitungsgremien und als Pfarrerin, die sich um «die Nachfolge» im engeren und im weiteren Sinne in der Kirche sorgt.

Kirchgemeinden, die auf eine Stellenausschreibung nicht sofort einige gute Bewerbungen erhalten, werden kreativ. Pfarrerinnenlose Zeitspannen fordern Gemeindemitglieder vermehrt zu persönlichen Einsätzen heraus. Kirchgemeinden werden sich bewusst, was sie brauchen. Und es wird deutlich, dass das Evangelium, die gute Botschaft, der wir nachleben wollen, kaum eine bequeme Sache ist – und nie eine war.

Als reformierte Kirche leben wir als «semper reformanda» mit dem Selbst-Bewusstsein des stetigen Wandels. Mit der Zuversicht, dass das Evangelium bleibt, auch wenn die Kirche sich verändert.