Akilah wird einmal Ingenieurin

Akilah wird einmal Ingenieurin

«Den Emre, den kriegen wir niemals in den Arbeitsmarkt mit seinen 40 Jahren, 3 Kindern und keinem Wort Deutsch. Aber seine Tochter, die wird mal Ingenieurin…»

Der Kanton Graubünden gilt schweizweit als Vorbild für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Damit das so bleiben kann, benötigt Marcel Suter, Leiter des Amts für Migration und Zivilrecht, trotz weniger Flüchtlingen mehr Geld. Im Interview erzählt er, warum.

Mit Marcel Suter sprachen Prisca Roth und Sabrina Bundi.

Marcel Suter ist seit 2011 Vorsteher des Amts für Migration und Zivilrecht des Kantons Graubünden. Er ist Jurist und Anwalt sowie Präsident der Vereinigung der kantonalen Migrationsbehörden der Schweiz. Suter ist zudem nebenamtlicher Dozent für Privat- und Verwaltungsrecht an der HTW Chur und an der ibW Chur.  zVg

Marcel Suter ist seit 2011 Vorsteher des Amts für Migration und Zivilrecht des Kantons Graubünden. Er ist Jurist und Anwalt sowie Präsident der Vereinigung der kantonalen Migrationsbehörden der Schweiz. Suter ist zudem nebenamtlicher Dozent für Privat- und Verwaltungsrecht an der HTW Chur und an der ibW Chur. zVg

Marcel Suter, mit meinen Studierenden gehe ich ein Mal pro Jahr nach Genua. Wir flanieren durch die Altstadt, wo viele Nordafrikaner in traditionellen Gewändern ganze Strassenzüge mit Halal-Metzgereien, Friseur-Salons, Internet- und Geldtransferanbieter beleben. Ich frage dann jeweils meine StudentInnen: «Was denkt ihr, wo gibt es mehr Ausländer, in Genua oder in Graubünden?» Alle tippen auf Genua, aber der Ausländeranteil liegt dort bei ungefähr 8 Prozent, in Graubünden bei rund 18 Prozent. Wie würden Sie meinen Studierenden erklären warum die AusländerInnen hier nicht so sichtbar sind?

Das liegt wohl daran, dass wir nicht so viele Ausländer aus afrikanischen und asiatischen Ländern haben wie Italien. Der Grossteil der Ausländer in Graubünden stammt aus Deutschland, Italien und Portugal, und diese Menschen fallen optisch weniger auf. In anderen Kantonen sind Asylsuchende noch weniger sichtbar, weil sie nur ganz kurz in den kantonalen Strukturen verbleiben und noch während des laufenden Asylverfahrens auf die Gemeinden verteilt werden. Der Kanton Graubünden hat zur Entlastung von Klein- und Kleinstgemeinden entschieden, Asylsuchende für mehrere Monate in einem Erstaufnahme-, oder Transitzentrum zu belassen. Aber es stimmt schon: die Sichtbarkeit hat viel mit der subjektiven Wahrnehmung zu tun. Auch wenn wir im Moment beispielsweise sehr wenige Asylsuchende im Kanton haben, fällt es natürlich auf, wenn 25 dunkelhäutige Männer in einer Gruppe in Chur am Bahnhof stehen.

Wie hoch ist momentan die Anzahl der Asylsuchenden im Kanton?

Insgesamt ungefähr 1500 Personen auf 200 000 Einwohner. Rund 1000 Personen sind vorläufig aufgenommen, das heisst, sie haben einen negativen Entscheid auf ihr Asylgesuch bekommen, können aber aus humanitären Gründen nicht in ihr Land zurückgeschickt werden. Rund 500 Personen warten noch auf die Anerkennung des Flüchtlingsstatus oder eine vorläufige Aufnahme vom Staatssekretariat für Migration in Bern und wechseln – wenn sie als Flüchtling anerkannt werden – in die Gemeinden. Ab dann ist auch nicht mehr das Amt für Migration, sondern das kantonale Sozialamt für sie verantwortlich.

Asylgesuche im Kanton Graubünden – 1998 bis 2018

Flüchtlingsströme: 1998/99 Balkankrise; 2011/12 Arabischer Frühling; 2015 Bürgerkrieg Syrien / Quelle: Kanton Graubünden, Amt für Migration und Zivilrecht

500 ist eine sehr niedrige Zahl im Vergleich zum Jahr 2015.

Ja, deshalb konnten wir im 2018 mehrere Durchgangzentren wie dasjenige in Müstair, in Splügen oder eine kleinere Unterkunft in Rueun schliessen. Im September 2019 werden wir auch das Transitzentrum in Schluein schliessen. Als allererstes wurden allerdings die Zivilschutzanlagen geschlossen, die wir 2015 mit dem Strom der Syrischen Kriegsflüchtlinge temporär einrichten mussten. Damals wurden zu den 6 bestehenden Zentren in Chur, Cazis, Schluein, Landquart, Davos und Valzeina noch 7 zusätzliche Zentren in Andeer, Domat/Ems, Litzirüti, Laax, Disentis, Davos und Valchava aufgebaut. Die meisten Zentren sind nur gemietet, so können wir den Schwankungen in der Anzahl der Asylsuchenden und der gleichmässigen Verteilung im Kanton besser Rechnung tragen. Und wir werden bis Sommer 2019 entscheiden, ob wir noch weiter abbauen werden. Aber es ist immer ein Abwägen, wie viele Zentren wir schliessen wollen. Denn ohne Zuweisungen von Asylsuchenden durch den Bund fehlen uns auch die Globalpauschalen zur Finanzierung der Zentren. Ansonsten müssten wir das Geld aus der Kantonskasse nehmen. Und vielleicht wird wieder eine Zeit kommen, in der wir durch den ganzen Kanton reisen, um nach möglichen Asylzentren zu suchen. Wie wir gesehen haben, kann ein Krieg innerhalb von wenigen Monaten Tausende von Menschen zu Flüchtlingen machen.

Mit dem Abbau der Zentren sind auch viele Stellen gekürzt worden?

Seit Juli 2017 haben wir niemanden extern mehr eingestellt. Jetzt bin ich sogar an einem Punkt, wo ich befristete Stellen ohne Anschlusslösung auslaufen lassen muss oder sogar unbefristete Stellen kündigen muss.

Erst kürzlich hat mir jemand gesagt: «Jetzt hast du bestimmt einen lockeren Job, wenn du alles herunterfahren kannst».

Ich muss sagen, mir war es lieber, etwas aufbauen zu können, auch wenn es mit viel Arbeit, Überzeugungskraft und Widerständen verbunden war. Aber Leute auf die Strasse stellen zu müssen ist wirklich keine schöne Aufgabe.

Diese Sparmassnahmen fallen an, weil wir, wie gesagt, weniger Zuweisungen bekommen. Aber ich werde bei der Regierung mehr Geld für das Budget 2020 beantragen. Und ich werde versuchen den Grossen Rat davon zu überzeugen, dass wir auch mit weniger Flüchtlingen zwingend in eine gute Integration investieren müssen. Denn, wenn wir unsere Arbeit im Amt für Migration und Zivilrecht gut machen können, werden aus den anerkannten Flüchtlingen weniger Sozialfälle und das bedeutet eine kleinere Belastung für die Gemeinden.

Kommen wir auf die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu sprechen. 2015 lag der Schweizer Durchschnitt der Erwerbsquote von Flüchtlingen, die zwischen 4 und 5 Jahren in der Schweiz sind, bei knapp 29%, in Graubünden bei 42%. Bei vorläufig aufgenommenen Personen, die zwischen 6 und 7 Jahren in der Schweiz sind, bei schweizweit 48%, in Graubünden bei 69%. Das Bündner Integrationssystem wird schweizweit gelobt, warum?

Das hat verschiedene Gründe. Erstens, weil wir schon sehr früh mit der Integrationsarbeit beginnen. Wir haben beispielsweise seit vielen Jahren eine Vereinbarung mit der Regierung, die besagt, dass auch Asylsuchende nach Ablauf einer Arbeitssperre von drei Monaten arbeiten gehen dürfen. Das ist nicht in allen Kantonen so. Oft bestehen Berufsverbote über das ganze Asylverfahren hinweg aus Angst, dass Flüchtlinge der einheimischen Bevölkerung die Arbeit wegnehmen könnten. Der Vorteil in Graubünden ist, dass wir im Tourismus und in der Bauwirtschaft sehr viele Arbeitsstellen im Niedriglohnsegment haben. Das sind beispielsweise Arbeiten in der Reinigung, in der Küche oder im Handwerk, die mittlerweile nur noch wenige Schweizer oder Europäer ausführen wollen. Diese Arbeiten können auch Asylsuchende ohne gute Sprachkenntnisse übernehmen. Ein weiterer grosser Vorteil ist, dass wir sehr kleine Strukturen haben. Man kennt sich. Man kennt auch den Arbeitgeber, die Behörden vor Ort etc., die wir somit direkt und aktiv angehen können.

Ein dritter Faktor, der die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt im Kanton Graubünden erleichtert, ist die Tatsache, dass wir die Fachstelle Integration direkt in das Amt für Migration eingegliedert haben. In anderen Kantonen ist diese Fachstelle teilweise anderen Departementen zugeteilt und untersteht somit einem anderen Regierungsrat, als jenem, der für die Migration zuständig ist. Dies erhöht die Hürden für eine gute Zusammenarbeit natürlich extrem.

Hier in Graubünden hingegen können die Mitarbeitenden der Fremdenpolizei und der Fachstelle Integration praktisch im gleichen Haus zusammen Kaffee trinken, streiten und Kompromisse aushandeln.

Dies fördert ein intensives und lösungsorientiertes Zusammenarbeiten zum Wohl einer möglichst guten und fairen Integration der Flüchtlinge in den hiesigen Arbeitsmarkt.

Ausserdem möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass wir mit Frau Patricia Ganter, unsere Kantonale Integrationsdelegierte und Leiterin der Fachstelle, eine kompetente Führungskraft haben, die damals direkt vom Bundesamt für Migration zum Kanton kam und die Fachstelle Integration sehr rasch und effizient aufgebaut hat.

Trotz der positiven Punkte, die Sie eben genannt haben, wo stossen Sie an Schwierigkeiten?

Am schwierigsten ist es, die Arbeitgeber zu überzeugen, dass es sich lohnt, mit uns zusammenzuarbeiten.

Denn für den Arbeitgeber bedeutet ein Asylsuchender im Betrieb oder ein Flüchtling als Lehrling einen viel grösseren Betreuungsaufwand. Es ist einfacher einen Lernenden zu nehmen, der unser Schulsystem miterlebt hat und unsere Sprache spricht.

Können Sie den Arbeitgebern finanzielle Anreize bieten, um sie zu überzeugen einen Flüchtling anzustellen oder als Lehrling aufzunehmen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unter anderem das sogenannte TeilmodellPlus. Der Arbeitgeber zahlt dabei dem Arbeitnehmer nicht den vollen Lohn und die Differenz seines Lohnes zum Mindestlohn wird von uns übernommen. Das passiert allerdings erst, wenn der Flüchtling seine Anerkennung bekommen hat oder vorläufig aufgenommen wurde. Vorher, während des Asylverfahrens, darf er zwar arbeiten, wir vermitteln aber keine Stellen und es findet keine aktive Integrationsarbeit statt.

Dann gehen die Flüchtlinge selber auf Jobsuche? Oder wie muss man sich das vorstellen?

Ja, und vieles spricht sich dann auch rum. Nehmen wir das Beispiel des Transitzentrums in Laax: Viele Flüchtlinge arbeiten dort in der Weissen Arena Gruppe, die meisten im Gastgewerbe oder der Reinigung. Sie erzählen ihren Kollegen oft von der Arbeit, vor allem natürlich, dass sie dadurch etwas mehr Geld zur Verfügung haben und nicht den ganzen Tag herumsitzen müssen. Schon bald machen es ihnen die anderen nach.

Oder aber der Chef sieht, dass er kurzfristig eine Arbeitskraft mehr braucht und fragt den bereits eingestellten Flüchtling direkt, ob er nicht noch jemanden kenne, der bereit ist, im Betrieb mitzuarbeiten.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Personen dann für Dumpinglöhne arbeiten müssen?

Nein, denn auch sie brauchen eine Arbeitsbewilligung. Und auch das KIGA, das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit, macht regelmässige Kontrollen in Betrieben und auf Baustellen, um Schwarzarbeit und Dumpinglöhne zu verhindern.

Passierte es oft, dass Asylsuchende schon in ihren ersten Monaten in der Schweiz Arbeit suchen und finden?

Meistens dauert es schon einen Moment. Denn die allermeisten sind erst einmal froh, täglich etwas im Magen und ein Dach über dem Kopf zu haben und müssen zuerst ihre Geschichte verarbeiten. Wir dürfen nicht vergessen, die allermeisten Flüchtlinge sind nicht in einer behüteten Kindheit aufgewachsen und haben eine sehr schwere Reise hinter sich. Sie kommen nicht nach Europa, weil die Wirtschaftslage Ihnen hier mehr Möglichkeiten bietet, sondern weil es für sie keine andere Lösung und keine Perspektive mehr gibt. Erlauben Sie mir einen Exkurs. Ich war kürzlich in einem Flüchtlingscamp im Libanon. Die Syrer, die vor dem Bürgerkrieg flüchten, versuchen zuallererst im eigenen Land Zuflucht zu finden. Oder dann im nahen Ausland. Das Camp im Libanon ist gerade mal 45 Kilometer von Damaskus entfernt. Das ist nicht mal die Distanz von hier nach Zürich.

Wohin würden Sie flüchten, wenn Sie müssten? Auch zunächst im eigenen Land. Oder im nahen Ausland. Und erst dann in ein Land wo sie weder die Sprache verstehen noch die Schrift lesen können und auch ganz andere kulturelle und klimatische Verhältnisse herrschen.

Und zum Teil bleiben die Familien mehrere Jahre in diesen Camps, bevor sie den Entscheid fällen, nach Europa zu kommen. Wobei dann nicht einmal sicher ist, ob dieser kleinste Teil, der nach Europa fliehen will, überhaupt ankommt.

Zurück zu ihrer Frage: Bei der Motivation der Flüchtlinge sich in den hiesigen Arbeitsmarkt zu integrieren, treten oft starke kulturelle Unterschiede zu Tage, denen wir Rechnung tragen müssen. Personen aus Syrien kommen beispielsweise aus einer eher leistungsorientieren Gesellschaft. Mindestens die Männer waren teilweise in Schulen und sind sich gewohnt, fünf oder sechs Stunden pro Tag die Schulbank zu drücken. Dementsprechend einfacher ist es sie zu überzeugen, einige Stunden pro Woche Deutsch zu lernen, bevor wir zusammen mit ihnen auf Jobsuche gehen. Wohingegen Personen aus Afrika oft gar keine Schulbildung hatten und so sehr von der Hand in den Mund leben mussten, dass sie sich kaum vorstellen können was sie übermorgen tun, geschweige denn in ein paar Monaten oder Jahren.

Ist der Asylsuchende als Flüchtling anerkannt oder vorläufig aufgenommenen, unterstützen Sie ihn bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Die Fachstelle für Integration hilft den Flüchtlingen, sich zu informieren, Deutsch zu lernen und stellt Jobcoaches zur Verfügung, um geeignete Arbeitsstellen zu finden. Nicht immer eine leichte Aufgabe?

Nein, tatsächlich nicht. Früher bekamen wir pro anerkannten Flüchtling 6000 Franken vom Bund. Das reichte gerade mal knapp für die Sprachkurse. Mit den Neuerungen im Asylgesetz vom März 2019 werden wir künftig einmalig 18 000 Franken pro Flüchtling bekommen. Damit lässt sich schon viel besser arbeiten. Allerdings sind die Anforderungen gemäss Integrationsagenda Schweiz auch höher. Zuerst machen wir mit jeder Person eine Potentialabklärung. Das heisst, wir schauen, welche Ausbildung die Flüchtlinge in Ihrem Land gemacht haben, welche Fähigkeiten sie haben oder worin sie besonders gut sind. Die jungen Eritreer beispielsweise sind teilweise hervorragende Handwerker. So schlimm die Zwangsrekrutierung von jungen Männern in Eritrea auch ist, sie haben dabei hervorragende Fertigkeiten als Spengler, Schreiner oder Elektriker erworben. Aber sie haben keine Schweizer Abschlüsse. Und unser duales Bildungssystem verlangt nun mal nach Zertifikaten, nach Zeugnissen oder Diplomen. In der Schweiz kann man keine Tellerwäscherkarriere hinlegen wie in anderen Ländern, das erschwert die Integration von Flüchtlingen um einiges.

Nach der Potentialabklärung muss also ein Diplom her, um auf dem eigenen Beruf arbeiten zu können. Gibt es beispielsweise Brückenangebote oder eine Art Schnelldurchläufe, um geschwinder zu einem Schweizer Diplom zu kommen?

Nein. Leider nicht. Auch Ärzte müssen hier noch einmal zur Uni um praktizieren zu dürfen. Wir haben zum Beispiel einen Syrischen Arzt, der als Pfleger in einem Spital im Kanton eine Anstellung gefunden hat. An der Universität Basel gibt es mittlerweile aber die Möglichkeit, Diplome nachzuholen und auch Personen, die nur eine vorläufige Asylaufnahme besitzen, können sich an der Universität immatrikulieren. Aber wie gesagt, das braucht sehr viel Willen und Disziplin seitens des Flüchtlings. Nehmen wir als Beispiel einen jungen anerkannten Flüchtling, der bereits für den Mindestlohn von 3500 Franken hier in der Schweiz gearbeitet hat und nun in die Lehre gehen müsste und dabei nur noch 400 bis 500 Franken verdient. Das braucht viel Überzeugungsarbeit unsererseits. Aber meistens sehen die Menschen dann schon ein, dass man längerfristig mit 3500 Franken keine Familie in der Schweiz ernähren kann. Und je jünger der Flüchtling ist, desto besser funktioniert die Integration in eine Lehre.

Einen 40-jährigen Flüchtling aus einem Kriegsgebiet mit Familie bekommen sie praktisch nie in den Arbeitsmarkt integriert, da müssen wir uns nichts vormachen.

Die Kinder der Flüchtlinge hingegen lassen sich sehr gut integrieren und werden von ihren Eltern auch oft sehr gepusht. «Schau, was du hier alles für Möglichkeiten hast, dir soll es besser gehen», sagen sie oft zu ihren Kindern. Von 16 jugendlichen Flüchtlingen, die hier in Graubünden eine Lehre begannen, haben 15 in diesem Jahr den erfolgreichen Abschluss geschafft. Und wenn wir die Unis und Hochschulen anschauen, sehen wir heute viele Kinder von Flüchtlingen aus Exjugoslawien, die sehr erfolgreich sind. Ich bin überzeugt, in 20 oder 30 Jahren werden viele Syrier ihre Hochschulabschlüsse entgegennehmen können.

Sie sehen: Integration braucht viel, sehr viel Zeit. Die subjektive Wahrnehmung der Bevölkerung hingegen passiert immer spontan und ist auf den Moment bezogen. Dieses Spannungsfeld müssen wir aushalten und versuchen mit einer offenen Kommunikation und sachbezogenen Informationen zu entkräften.